Ihre Browserversion ist veraltet. Wir empfehlen, Ihren Browser auf die neueste Version zu aktualisieren.

 GEDANKEN  ÜBER  FOTOGRAFIE

Der Vogel, 3. März 2018

Heute, beim zufälligen Blick durch das Küchenfenster (oder vielleicht wollte ich es doch öffnen, denn es strahlte eine wunderbare Morgensonne, wenn auch immer noch Minusgrade vorhergesagt waren), schaute ich also leicht schräg unter mir im kahlen Baum auf einen größeren farbigen Vogel. Man darf sich die Entfernung nicht zu nah vorstellen, aber er war deutlich zu sehen, gefühlt in Lebensgröße: Ein Eichelhäher! Die türkisblau-schwarz gestreifte Feder an seiner mir zugewandten Seite leuchtete und seine dunklen Augen glitzerten; er hatte den Kopf in Richtung des Hauses gedreht. Wahrscheinlich genoss er die Sonne, denn er saß ganz ruhig, wobei er seine Federn aber nicht abspreizte oder sich gar putzte.

Schnell holte ich die handliche Lumix aus dem Nebenzimmer und noch auf dem Weg zurück machte ich sie fotografier-fertig, war mir nur etwas unsicher, ob ich es wagen sollte, für ein besseres Bild leise das Fenster zu öffnen. Diese Entscheidung wurde mir abgenommen - der Ast war leer. Nein, ich sage nicht, dass mir das Ganze nachträglich nun wie ein Traumbild vorkam, denn so selten ist ein Eichelhäher nun auch wieder nicht. Ich war auch nicht enttäuscht, nur  sehr beschämt.

 

Auszug aus dem Ersten Pandaheft, 1996

[Hierbei handelt es sich um einen aus dem Bewusstseinsstrom niedergeschriebenen unkorrigierten Text mit Illustrationen.]

 

06. September

So viele Fotografien, so viele völlig unterschiedliche Bilder. Heute lachte ich über einzelne Schnappschüsse, die darunter waren. - Das Bild auf dieser Zeitungsseite [Foto: Prinz Claus beim Besuch einer niederländischen Blumenfarm] ist anrührend schön in seiner tragischen Komik. Ein gutes Portrait in adäquaten, fein komponierten Farben, die der unfreiwillig verfremdende Zeitungsdruck sicherlich noch poetisiert hat. -

Die Schnappschüsse aus dem Karton, in den ich vorhin hineingeschaut habe, sind so komisch, weil sie keine komische Situation festhalten sollten, sondern eine verborgene Komik herausbelichtet haben. Ich nenne das mal Enthüllungsfotografie. […]

 

27. September

[…] Künstlerische Fotografie ist keine Kunst. Die Natur ist schön. Ein Foto von der schönen Natur ist keine Kunst! Ein künstlerisches Foto von einem Kunstwerk ist dann schon mehr Kunst.

 

 

Landschaftsbilder, im Vorüberfahren. Aus dem Zug. (Essay zur Ausstellung)

(7. Januar 2019)

Wieso sollte jemand daran interessiert sein, über Jahre hin aus fahrenden Zügen zu fotografieren? It's weird! It's whimsical! Eine Antwort auf die bisher von niemandem aufgeworfene Frage nach dem Hintergrund dieser fotografischen Marotte  ...

 

Auf einer Bahnfahrt versuchen wir Reisenden früher oder später, aufkommender Langeweile und psycho-physischer Ermüdung entgegenzuwirken. Wir schreiben und empfangen Emails auf Smartphone, Tablet oder Notebook, hören Musik über Kopfhörer, schauen uns Filme an; wir lesen Zeitung, blättern im Reisemagazin der DB oder schaffen einen Roman fast bis zum Schluss; es finden angeregte und manchmal tiefschürfende Gespräche mit uns unbekannten Mitreisenden am Tisch statt; wir essen und trinken und spielen auch heute noch „Ich-sehe-was-was-du-nicht-siehst“ mit unseren Kindern. Und ich schieße immer gerne einmal eine größere Anzahl von Fotos durch das Fenster nach draußen.

 Übrigens erledigen wir nur, wenn wir die Fahrt als solche ignorieren möchten, vom Betreten des Zuges bis zum Zielbahnhof durch und durch nützliche Tätigkeiten wie Prüfungsvorbereitungen oder die Pflege von Kundenkontakten (letztere dann hoffentlich nicht am Mobiltelefon). Sind wir dagegen emotional involvierte Reisende, empfinden wir zum Beispiel Abschiedsschmerz oder die Vorfreude auf ein Wiedersehen, manchmal melancholische Trägheit, Ärger über Umstände, die uns das Reiseerlebnis zu vermiesen drohen, und gar nicht so selten ein generelles Gefühl des Aufbruchs und der neugierigen Offenheit während der Fahrt als solcher. Religiöse Gefühle und ungebrochene Naturbegeisterung dürften dagegen eher selten aufkommen. Bei Eichendorffs romantischem „Taugenichts“, der hier in einer Kutsche unterwegs ist, gehörten sie noch dazu:

„Wir aber rasselten durch die stille Nacht einen Steinweg hinan, der sich auf einen hohen Berg hinaufzog. Bald überdeckten hohe Bäume und herabhängende Sträucher den ganzen Hohlweg, bald konnte man auf einmal wieder das ganze Firmament und in der Tiefe die weite stille Runde von Bergen, Wäldern und Tälern übersehen.“               Joseph von Eichendorff, Aus dem Leben eines Taugenichts, 5. Kapitel

Der Blick nach draußen ist dagegen auch heute noch ein wichtiger Bestandteil des Reisens. Deshalb sind Fensterplätze in der Bahn bei den meisten Passagieren beliebter als die Plätze am Gang, sogar, wenn man dafür rückwärts fahren muss. Zumindest früher haben wir uns gerne auf ein Getränk im Speisewagen niedergelassen, einfach weil der Blick auf die Landschaft durch größere, getönte Scheiben dort besonders attraktiv war. Allerdings waren in überfüllten Zügen die Plätze aus praktischen Beweggründen heraus eventuell schon besetzt. Ganz ganz früher konnte man auch die Zugfenster im Abteil öffnen, um einen unverstellten Blick nach draußen zu werfen und bei Gefallen ein Motiv in einem Foto festzuhalten.

 

Outing als unverbesserliche Romantikerin

 

Das eigentlich Charakteristische der Durch-Das-Zugfenster-Fotografie ergibt sich aus der einfachen Tatsache, dass eine Person sich nicht dafür zu blöde ist, die Kamera immer wieder durch das Fenster eines fahrenden ICE oder Regio nach draußen zu richten.

Die fotografischen Resultate aus solchen Bemühungen können heutigen fotografischen Standards nämlich kaum entsprechen. Die Bilder leben von dem Flüchtigen, nur mühsam Festgehaltenen, inklusive einiger auf den Fotos verbleibenden Mängeln. Jede Kamera eines neueren Mittelklassehandys ermöglicht es den Besitzer*innen dagegen, ohne große Mühe reiseprospekt - taugliche Landschaftsfotos zu generieren, zumindest zusammen mit dem mitgelieferten Bearbeitungsprogramm! Durch die Fensterscheiben der fahrenden Bahn aufgenommene Motive gehören bisher irgendwie nicht dazu. Dabei käme man mit der Sport-Aufnahmen – Funktion der Sache schon ganz nahe. Als erstes müsste die dann aber anders heißen.

Es bleibt der künstlerische Ansatz. Aber was, so befrage ich mich, soll das für einer sein? Ich frage also noch einmal (Entschuldigung): Was, um Himmels willen, sucht oder findet, wer seinen faszinierten Kamera - Blick auf die draußen vorüberziehende Landschaft richtet? Die nur auf wenigen Strecken als "atemberaubend schön" durchgehen kann?

Meine Antwort auf die selbst aufgeworfenen Fragen ist folgender dringender Verdacht: Es handelt sich in meinem Fall um ein nur kaum getarntes, im Kern rettungslos  r o m a n t i s c h e s  fotografierendes Subjekt.

Lassen Sie mich noch die Gründe für den eben behaupteten romantischen Charakter der Durch-das-Zugfenster-Fotografiererei anführen . Es wäre fantastisch, wenn Sie wider Erwarten dabeiblieben! Es würde mich sehr glücklich machen!

Nun also … Dem* Romantiker*in ist die Fahrt selbst das Wichtigste. Das „gelungene“ Foto darf, ja soll deshalb die Grundsituation des Fahrens enthalten und die Bewegung des Zuges aufnehmen. Ohnehin wird die Nähe (verschwommen) im romantischen Reiseempfinden weniger wertgeschätzt als die Ferne (schärfer). In weiter Ferne liegt das geahnte, ersehnte Ziel, das logischer Weise nie erreicht werden kann, da es beim – ernüchternden - Näherkommen seine Qualität als vage Ferne verlieren würde. Dahinter tut sich eine neue Ferne auf. - Ein flüchtiger schöner Anblick, ein besonderer Moment - im Vorüberfahren löst er ein freudiges Gefühl aus und wirkt fort, indem er der Fantasie Nahrung gibt und die romantische Sehnsucht befeuert. Das kann der berühmte einsame knorrige Baum sein, aber auch eine Gruppe Jugendlicher in punkigen Klamotten, die zusammengekuschelt in einem Buswartehäuschen vor dem Regen Unterschlupf suchen. Dahinter ein Dorf und Hügel. Die Welt der Romantiker*innen ist ja voller Geschichten und Wunder, die nur entdeckt werden wollen. Vielleicht hat die Kamera den besonderen Anblick und wunderbaren Moment also sogar „bemerkt“ und aufscheinen lassen, der meinen schwächlichen Augen gerade entgangen ist? (Statt des „Zauberwortes“ im Novalis – Gedicht, das dort das schlafende Lied in den Dingen zum Singen bringt.) Bei den jungen Leuten war es nun gerade umgekehrt - Fotograf*innenschicksal. Einmal ins Bild gebannt und konserviert, wird das Wunderbare sich allerdings eher über kurz als über lang sowieso wieder entzaubern. Leider hat die Fotografie als Medium nämlich etwas Kurzlebiges an sich, bei aller fotografischen Jagd des Subjekts nach dem Einzigartigen, das sich dauerhaft einprägen und Bestand haben wird. * Aber: Man kann es ja von Neuem einzufangen versuchen. Man wird.

Welche Wunder hinter den Zugfenstern sucht die Romantikerin in dem gelungenen Bild (die Bewegung einschließend)? Vor allem wird sie die Landschaft da draußen in ihren Formen und Farben beeindrucken, und da sie in kindlicher Weise begeisterungsfähig ist, muss es keine „spektakuläre“ Landschaft sein. Die horizontale Gliederung, Himmel und Wolken reichen ihr schon, intensive Farbigkeit oder lauter grautönige Schleier. Menschen und Objekte innerhalb der Szenerie rufen Gefühle hervor und setzen Gedanken in Gang. Dabei bleiben die Gedanken, ausgelöst durch die sinnlichen Eindrücke, während des romantischen Reisens leider ziemlich undifferenziert. Gerne darf es um Harmonie, Wunschträume, Geheimnis oder zumindest Überraschungen gehen; die Fantasie malt sich eine Natur mit klarer Luft und sauberem Wasser aus, mit Tieren vielfältiger Art, darin gute Behausungen mit glücklichen, kreativen Menschen ohne erzwungene Armut. Krisen, die überwunden werden, Transformation, Entwicklung! Allerdings ...

In den großen abgezirkelten Feldern intensiver Landwirtschaft verbirgt sich das Wunderbare bestimmt nicht und wahrscheinlich auch selten in den adretten Häusern, die dazwischen zu sehen sind (historisch – romantisch gesprochen: in denen die Philister wohnen). Heruntergekommene ehemalige Bahnwärterhäuschen regen dann schon eher die Fantasie an. Auch ein Netz von Straßen mit sagenhaft vielen Autos ist nicht sehnsuchtsfördernd und „Wohnsilos“ stimmen ratlos. Heftig rauchende Fabrikschlote und besonders ferne Atomkraftwerke, die ja nie direkt an einer Bahnlinie liegen, wecken starke negative Emotionen. Und desillusionieren schlagartig das romantische Fernweh.

Ebenso schwer fällt es, das Wunderbare in einem Stück Wald zu verorten, der kurz ins Bild kommt, will man nicht sämtliches Wissen über Luftverschmutzung und Waldsterben ignorieren. Eine besonders knifflige künstlerische Frage stellt sich bei den Windparkanlagen. Aus der Ferne wirken sie leicht lächerlich, kleine putzige uniforme Spielzeugmühlen. Aus der Nähe kann man sie nicht angemessen, und das hieße: dokumentarisch – scharf, fotografieren.

 

Allerdings: Romantiker*innen sind meistens sehr sehr hartnäckig. Sie lassen sich nicht leicht entmutigen.

 

So versuchen sie in Fotomotiven wie dem sich dahinziehende Fluss, auf dem andere Reisende unterwegs sind, die herbstlich – intensive Stimmung einzufangen, die Überraschung beim gerade erst freigegebenen Blick auf eine Stadt oder die Schönheit der hintereinander gestaffelten „exotisch“ geformten, feingezeichneten Bergketten im fernen China. Dafür nehmen sie auch den Stress auf sich, dem das Fotografieren beim schnellen Fahren unterliegt. Kurze, poetische, als wesentlich empfundene Momente wollen eingefangen werden. Wann kommen sie? Keine*r weiß das genau. Husch – schon vorbei.

Immer wieder stellt sich Ernüchterung ein. Recht so! Die romantische Wahrnehmung ist sowieso tendenziell reaktionär. Das hat schon der emanzipierte „letzte Romantiker“ Heinrich Heine vor schlappen 200 Jahren erkannt. Wenn nun das träumerisch auf einer Morgenwiese auftauchende einsame Pferd - ja, ganz dem Klischee entsprechend - nicht „angemessen“ auf dem Foto wiedergegeben ist, muss das Foto eben verworfen werden. Besser so! Andererseits: Warum eigentlich? Als Kitschbild taugt es zwar nicht. Die Ernüchterung (das Realitätsprinzip) könnte man aber als Störfaktor im Bild beibehalten, so wie eine perspektivisch verzerrte Signalanlage oder sogar das Schiff auf dem Fluss, das man ja schnell als touristisches Ausflugsboot erkennt, welches nichts Abenteuerliches hat. Nun war die „Desillusionierung“ aber schon immer Teil des romantischen Erlebens. Romantische Ironie genannt, bezeichnet sie den Moment, in dem der Romantiker, die Romantikerin in der Alltagsrealität aufschlägt. Das Dilemma bleibt also. Man mag es drehen oder wenden: Es gibt keine überzeugende Rechtfertigung für „Landschaftsbilder, im Vorüberfahren, aus dem Zug“.

 

Zum guten Schluss

Ich möchte mich nun mindestens eintausendneunhunderteinundfünfzig Mal bei allen Leser*innen dieses Essays bedanken, die bei der Lektüre soweit durchgehalten haben; bei allen Fotograf*innen, Reisenden der Deutschen Bahn und allen anderen Mitmenschen!

Auch wollte ich ursprünglich nicht um derartig viel Verständnis, ja Mitleid für meine Marotte werben. Dafür bitte ich ebensoviele Male um Entschuldigung.

Von einer gewissen Peinlichkeit abgesehen, handelt es sich schlussendlich nämlich einfach um einen sehr angenehmen Zeitvertreib. Man fotografiert hoffnungsfroh aus Zugfenstern hinaus um anschließend sozusagen die Goldkörnchen unter den Dateien auszusieben und das Übrige in den Papierkorb zu werfen.

Wenn man meint, dass es auch das Katzengold tut, da ja auch Katzengold die Seele beflügeln kann. Metaphorisch gesprochen. Im romantischen Sinne.

_________

* Diesen Gedanken zu vertiefen, würde mehr als einen weiteren Text erfordern. Es handelt sich um ein Thema, das so alt ist wie die Fotografie selbst, mit einer Fülle von Beiträgen. Ausdiskutiert ist es noch immer nicht.

 

Post zum Artikel

 Interview mit Sigrid Grajek  -Ich bin nun mal kein Gretchen“  

 (taz.de und die tageszeitung vom 26.05.2018

 http://www.taz.de/!5506374/#

 

Sprachkritischer Post zum Artikel

Kommentar zur neuen alten Regierung Magma unter der Oberfläche“

(taz.de und die tageszeitung vom 17.02.2018)

http://www.taz.de/!ku40744/

 

Post zum Artikel

Deniz Yücel nach seiner Freilassung - "Es bleibt etwas Bitteres zurück"

(taz.de und die tageszeitung vom 15.03.2018)

http://www.taz.de/!ku40744/

 

Einfühlsame Reportage (Printausgabe, taz am wochenende /Juni 2018)

 ["Der fremde Sohn"]

 

Anders als im Falle eines früheren provokanten taz-Artikels ihres Kollegen Hannes Koch über seine persönliche Negativerfahrung bei dem unbeholfenen Versuch, den syrischen Flüchtling Karim eine Zeitlang zu begleiten, handelt Veronika Wulfs Reportage von der gelungenen Integration des jungen Juody – auch er aus Syrien.

 

Auf der Grundlage einer Art Langzeitbeobachtung mit eigenem großem Einsatz erzählt die Journalistin Juodys Geschichte inmitten der schwäbischen Familie Bernhardt, die ihn als Pflegekind aufgenommen hat. Wie die neuen Eltern lange Zeit unter der Sprachlosigkeit und Verschlossenheit des „fremden Sohnes“ leiden, wie der ganz allmählich seine große Verunsicherung überwinden lernt und sich öffnet, das berührt und es ist spannend zu lesen.

 

Juodys Integrationsleistung wird möglich gemacht durch die liebevolle Zuwendung, den absoluten Respekt, die Geduld und Authentizität der Menschen in seiner nahen Umgebung. Es sind persönliche Ängste und Trauer, kulturelle Differenzen und das gesellschaftliche Klima in Deutschland, die für den syrischen Jugendlichen zunächst große Schwierigkeiten auftürmen. Dies beleuchtet Veronika Wulf durch einen außerordentlich klugen „Trick“: Sie lässt den jungen Flüchtling, der sich ja inzwischen artikulieren kann, die Probleme von damals kommentieren, im Kontrast mit deren Darstellung durch Christa und Rainer Bernhardt. Auf diesem Wege stellt sich ein  nachträgliches  Verstehen ein. Neben anderen Stellen werden den Leser*innen so einige überzeugende mögliche Erklärungen angeboten.

 

Diese einfühlsame Reportage ist nicht nur anschaulich und konkret, sondern auch ein Stück analytisch zu nennen. Sie zu lesen tut gut in Zeiten, in denen gebetsmühlenartige Jammerer, kalte Anti - Flüchtlings - Strategen und kläffende Hetzer die öffentliche Meinung zu bestimmen versuchen. Vor allem macht sie Mut, sich zu engagieren.

 

 Das alles ist eines Journalistenpreises würdig!

 

 Die religiöse Kluft überwunden (Printausgabe / Dezember 2017)

 ["Liebe, Demut und Atome"]

Die kluge und mit - fühlende Menschen- und Tierrechtlerin, Feministin, Philosophin und Muslimin Hilal Sezgin überwindet in ihrem Artikel die scheinbar unüberbrückbare Kluft zwischen Atheist*innen und gläubigen Menschen. Sehr schön dabei der Hinweis auf die Gläubigkeit der großen Repräsentanten der europäischen Aufklärung! Fanatische Muslime (= Islamisten) oder dogmatische, fundamentalistische Christen stehen hier einmal nicht im Mittelpunkt der Überlegungen, da wir uns in unserer Ablehnung einig sein dürften und die Kolumne ja 'Schlagl_och' und nicht 'Schnellstraße' oder 'Trampelpfad' heißt.

Eine Muslimin schreibt hier also in der Weihnachtszeit einen taz-Artikel, der mir als Christin aus der Seele spricht. Ganz schön verrückt. Ich sage lieber: grenzüberschreitend, transzendierend, und deshalb so klug. Um sich nach Möglichkeit zum Wohle der Mitmenschen, der Umwelt und zum eigenen Wohlergehen, religiös gesprochen: zum Wohle der Schöpfung, zu engagieren.

 

 

(Das Coronavirus ist ...) Nicht für alles verantwortlich (Printausgabe, taz am wochenende / 18./19. April 2020)

["Patriotenblues" von Ulf Erdmann Ziegler, taz vom 14.04.2020]

 

 "Im kritischen Diskurs geht es um eine Auseinandersetzung mit dem Regierungshandeln; um die Frage nach echter Solidarität; um Medienkritik; um Mythen, Manipulation und plitisch opportunes Handeln versus rational begründbare Maßnahmen zur Eindämmung der Pandemie und um die offizielle Kommunikation und Informationspolitik selbst."   (usw.)

 

 Auf der Demo zum Internationalen FrauenKampfTag  2020

Allerlei Slogans und eine Begegnung

 

Wer nicht dabei war in Berlin: Das Wetter war sonnig klar und die Stimmung insgesamt heiter. Wir sollen 12.000 gewesen sein, Männer eingerechnet. Um zwei Uhr zwanzig nachmittags marschierten wir am Leopoldplatz los und erreichten den Alexanderplatz gegen halb sechs - zumindest die von uns, die bis zum Schluss dabeiblieben. Ich gehörte im Prinzip dazu, allerdings musste ich mich in der XYstraße (vergessen) in die Kloschlange in einem "Subway" einreihen, so dass ich auf dem Alex erst eintraf, als die Kundgebung schon fast zu Ende war.

 

Es gab also viel Zeit, um Mitstreiter:innen zu treffen, aber auch die Slogans auf den vielen selbst erstellten Schildern kennen zu lernen.

 

Ein Motto schien mir dieses Jahr besonders zahlreich vertreten zu sein. (Mein Vergleich bezieht sich dabei auf 2019, wobei ich letztes Jahr in einem "Block" mitgelaufen bin, in der respektvollen Nähe zu prominenten Politiker:innen, wo andere Slogans vorherrschten.)

 

VIVA LA VULVA!

 

Wir haben es hier mit einem italienisch- oder spanischsprachigen Slogan zu tun, der vielleicht in Anlehnung an den Schlager "(E)viva Espagna" entstanden ist. Rhythmisch käme das jedenfalls hin. Er punktet zusätzlich mit einer Alliteration und vielen Assonanzen. Inhaltlich werden hier selbstbewusst und ein wenig trotzig - provokant die primären weiblichen Geschlechtsmerkmale ins Licht und ins Zentrum gerückt, die lange genug in eine schamhafte Tabuzone verbannt worden waren, wo sie nur der männlichen Verfügungsgewalt unterstanden.

Ja, Leute, so wurde beispielsweise Ende des 19. Jahrhunderte Künstlerinnen der Zugang zu den Akademien gerne mit der Begründung verwehrt, dass das Studium nicht nur männlicher, sondern auch weiblicher Akte moralisch unzumutbar sei.

Ganz zu schweigen von patriarchialischen Ritualen wie der furchtbaren Praxis der Genitalverstümmelung an Mädchen, die von den eigenen Müttern der Mädchen gutgeheißen wird.

 

Stattdessen lebe sie hoch, die Vulva! 

 

Am Vorabend auf einer Party konnte frau das Motto auch auf kleinen Buttons bekommen. Ich hatte mir aber keinen genommen und entsprechend auch keinen angesteckt. Leider ist bei mir trotz Zweitsozialisierung in den 1970er Jahren eine leichte Genierlichkkeit zurückgeblieben.

 

Geschätzte 80 Prozent aller selbstkreierten Schilder waren in English gehalten. Ist das die lingua franca auch unter Feministinnen? Manche davon, bestimmt einmal aus der amerikanischen Frauenbewegung oder aus GB importiert, finde ich Klasse.

 

LOVE SEX

HATE SEXISM!

 

Von diesem Motto bin ich inhaltlich und von der kommunikativen Leistung her überzeugt. Fastjede:r wird so ein Schild verstehen und kurz und knackig ist der Spruch auch.

 

Verwandte Sätze auf Deutsch haben mir aber auch gefallen:

 

Lasst es glitzern

Lasst es knallen

Sexismus in den Rücken fallen

 

Hier gibt es einen erheblichen poetischen Mehrwert gegenüber dem englischen Original. In den ersten beiden Versen mit ihren schönen passenden Umschreibungen und mithilfe eines Parallelismus; am Schluss durch den Reim.

Über die etwas weniger gelungene Metapher im letzten Vers kann frau locker hinwegsehen. Oder sie denkt sich dazu eine Attacke, bei der dem Aggressor buchstäblich in den Rücken gefallen werden muss.

 

Ehe ich weitere Anmerkungen mache, verspreche ich übrigens:

Nächstes Jahr bin ich mit einem eigenen Schild dabei auf der Demo zum Internationalen Frauentag!

 

Herumkritteln ist ja immer leichter, als selbst etwas Substanzielles - Mitreißendes - Lustiges beizutragen.

Auch werde ich mich dann klarer positionieren müssen für ein Thema, das mir möglicherweise besonders am Herzen liegen wird.

 

Weiter geht's mit 2020er Schildern. Das schon erwähnte, 'Viva la Vulva', wurde gerne mit Zeichnungen versehen hochgehalten. Hübsche Vulvas (Vulvae) fassten sich dabei an der Hand, um einem solidarischen, fröhlichen Kreis zu bilden. Das ist etwas völlig anderes als die aufdringlichen und immer einsam aufragenden Penisse, denen man als Graffiti im Stadtbild begegnet! Obwohl ich selbst, wie schon angedeutet, nicht mit einem entsprechenden Schild unterwegs sein könnte.


In englischsprachigen Slogans, die das in seinen Auswirkungen sehr konkrete, als Begriff aber abstrakte Patriarchat aufs Korn nahmen, hatte leider der bestimmte Artikel hartnäckig seine Stellung behauptet und sich so über englische Grammatikregeln hinweggesetzt.

 

FIGHT THE PATRIARCHY!

 

DESTROY THE PATRIARCHY

NOT THE PLANET!

 

Demgegenüber staunte frau über das nicht nur fehlerfreie, sondern anspruchsvolle, 'sophisticated' Englisch in anderen Slogans, was andererseits als ein gewisser Schwachpunkt dieser Schilder angesehen werden kann, denn sie sollen ja möglichst viele aufgeschlossene Mitmenschen ansprechen.

 

UNLEARN SEXISM AND RAPE CULTURE

FIGHT BACK!

(Umlernen, weg von Sexismus und Vergewaltigungs'kultur'!)

 

ANYTHING WE WANT TO ACHIEVE

WE CAN ACCOMPLISH!

(Was auch immer wir erreichen wollen, können wir vollbringen.)

 

Oder:

 

BOYS ARE

BOYS

ACCOUNTABLE FOR

THEIR ACTIONS

 

Diesen Slogan habe ich erst auf dem Rückweg in der U Bahn vom Hermannplatz Richtung Rathaus Spandau gelesen. Die junge Frau, die das Pappschild noch unter dem Arm trug, sagte damit, dass Jungen oder Männer sich nicht darauf hinausreden dürfen, dass "Jungs", die Scheiße gebaut haben, nun mal so seien, sondern dass sie für ihr Handeln bzw. ihre Taten verantwortlich sind.

Und sie hatte natürlich recht.

 

Auch für Sprachspiele wurden die Englischkenntnisse vieler Mitdemonstrant:innen eingesetzt, die wahrscheinlich aus dem studentischen Milieu kamen.

 

ReSISTER

(eine Mischung aus resist - sich widersetzen, Widerstand leisten und sister - gleichgesinnte feministische Frau.)

 

DESTROY THE

CIS- TEM!

 

(Zerstört das System, das zugewiesene Geschlechteridentitäten fordert.)

 

... oder so ähnlich. Den Begriff "cis" jedenfalls habe ich selbst erst dieses Jahr kennen gelernt. Zm Beispiel bei Wikipedia wird er ganz gut erklärt.

 

Gewerkschaftlich orientierte Frauen und Männer, Teilnehmer:innen, die SPD- Fahnen oder Fahnen der Linkspartei tragen, auch Grüne, machen dagegen deutlich seltener von der englischen Sprache Gebrauch.

 

----------

 

                    Irgendwo auf der langen Chausseestraße spreche ich eine junge Frau an. Ich

       möchte wieder mit jefrauder / jemandem ins Gespräch kommen. Sie wirkt sympathisch

       mit ihrem freundlichen Gesicht, völlig ungestyltem langen Haar und ihrem

       langen, dunkelgrün flatternden Rock über kräftigen Schuhen. Außerdem frage ich

       mich, was es mit den drei Schildern auf sich hat, die sie kopfunter an den Stöcken

       mit sich führt.

 

       "Hi. Sagen Sie, sind Ihre Schilder kaputt gegangen oder brauchen Sie eine

        Tragepause? Soll ich helfen?"

 

        "Danke. Nein, die sind in Ordnung, aber bei so starkem Wind wie jetzt klappt

        es nicht."

 

        Der Wind war inzwischen wirklich aufgefrischt.

                      

        "Darf ich sie mal lesen?"

 

        "Natürlich. Von mir ist nur das eine. Ich war aber gar nicht so zufrieden. Es

        ist vielleicht zu aggressiv. Die die anderen Schilder gemacht haben, habe ich

        aus den Augen verloren, und suche sie gerade. Sie wollten was Alkoholisches

        kaufen gehen und haben sich dafür aufgeteilt. Ziemlich unsicher, dass ich die

        wiederfinde,wenn alkoholische Getränke im Spiel sind!"

 

Ihr Slogan, auf Englisch, ist meinem Empfinden nach gar nicht sonderlich aggressiv. In Dunkellila ist er schwungvoll aufgepinselt. Die anderen beiden gehören zum Typus sophisticated English (siehe oben).

 

Ich nehme ihr die Schilder - Dreieinigkeit ab. Sie bedankt sich, denn sie friert an den Händen, trotz (fingerloser) buntgestrickter Handschuhe.

 

So kamen wir ins Gespräch, das über die restliche Chaussestraße fortlief und dann links in die Oranienburgerstraße abbog, undsoweiter, also über eine größere Strecke andauerte.Die junge Frau lebte seit über zehn Jahren in Berlin, wohin sie aus einem Dorf gewechselt war.

 

Sie sei vor allem in der Umweltbewegung aktiv, und daraus ergebe es sich auch, auf eine Frauendemo zu kommen, die Themen überschnitten sich ja. Im Augenblick habe sie viel zu tun; ich würde sagen, sie hatte eine Menge zu bewältigen.

 

Wegen der Umwelt habe sie ihren Job gewechselt, da sie sich mit dem früheren nicht mehr identifizieren konnte. Ihr Freundeskreis habe sich auch ziemlich verändert. Es sei für sie einfach zu anstrengend geworden, sich immer und immer wieder erklären zu müssen, warum sie eben kein Fleisch und überhaupt nichts vom Tier mehr isst, sondern vegan lebt. Und in fröhliche Gespräche (naive, könnte man sagen, oder ignorante) über den letzten Urlaub und den kommenden, in den man kurz mal hinfliegen würde, hat sie auch nicht mehr einstimmen können. Dieser Umbruch in ihrem Leben ist anstrengend, sagt sie. Eigentlich möchte sie immer mit allen verbunden sein und bleiben, aber das schaffe man nicht, es funktioniere nicht. Auch zuhause nicht.

 

Wir haben einander inzwischen mit Vornamen vorgestellt und duzen uns. Ich nenne sie hier Elke.

 

"Wird deine Haltung zuhause nicht verstanden? Nicht akzeptiert?", frage ich.

 

"Also, von meiner Mutter schon, und von meiner Schwester. Meine Schwester ist Vegetarierin. Aber mein Vater lehnt das alles ab."

 

"Oh, das ist bestimmt nicht leicht für dich. Auch wenn sich wahrscheinlich jede:r zumindest manchmal gegen seine Eltern stellen muss, zwangsläufig, weil es wahrscheinlich dazu gehört." (Zum Erwachsenwerden, denke ich noch bei mir.)

 

"Ja ... Aber auch mit den ganzen Rollenbildern, da bin ich mir manchmal so unsicher. Meine Großmutter sagt klipp und klar: Das und das gehört doch zu einem Mädchen. Das und das ist wichtig für eine Frau!

 

Sie möchte nicht davon abgehen. Ich zum Beispiel bin ziemlich unordentlich. Das sollte eine Frau nicht sein, meint sie."

 

Ich widerspreche ihrer Großmutter bzw. versuche die Fragen von Ordentlich- oder Unordentlichsein - mit denen ich mich recht gut auskenne - vom Geschlecht abzukoppeln.

 

Von einem Freund ist übrigens die ganze Zeit bei Elke nicht die Rede. Ich glaube kaum, dass sie aktuell einen hat, auch keine Freundin. Sie hätte sonst wahrscheinlich von vergleichbaren Konflikten oder eben von Harmonie in ihrer Beziehung gesprochen.

 

Meine mütterlichen Gefühle sind geweckt worden.

 

"Am besten, du überforderst dich nicht, mit diesem großen Umbruch", sage ich zu Elke. "Mach es dir auch schön, take care of yourself. Du kannst zum Beispiel möglichst leckere vegane Sachen essen; und mach es dir auch mal richtig gemütlich! Verstehst du?"

 

Sie nickt.

 

Etwas später fragt sie: "Kannst du die Schilder denn noch tragen?"

"Kein Problem."

        "Vielen Dank." 

 

        Sie hat nämlich immer noch kalte Hände und überlegt, nach Hause zu gehen - noch

        vor Erreichen des Alexanderplatzes.

 

Und ich sollte innerhalb der nächsten Viertelstunde einmal aufs Klo gehen. "Ich versuch's in diesem 'Subway' da vorne. Ich peile mal die Lage." Sie hat auch schon daran gedacht, warte aber gerne, nimmt die Schilder wieder.

 

Die Schlange drinnen zieht sich durch fast ein Drittel des Verkaufraums. Zum Glück ist die Stimmung aber auf allen Seiten friedlich.

 

Zur Sicherheit gehe ich erst noch einmal hinaus. Elke lässt den Demozug an sich vorbeiziehen; sie hält noch einmal nach ihren Freund:innen Ausschau.

 

"Ich wollte dir Bescheid sagen - das wird dauern."

"Ach, vielleicht bin ich dann nach Hause gegangen. Die anderen finde ich nicht mehr."

 

Wir verabschieden uns mit einer Umarmung.

 

"Pass gut auf dich auf,versprochen?"

Sie lächelt irgendwie dankbar. "Ja. Auch für dich alles Gute!"

 

Als ich nach zwanzig Minuten aus dem wohltätigen "Subway" herauskam, war Elke wirklich weg. Auch die Schilder hatte sie mitgenommen, genauso gewissenhaft, wie es mit Sicherheit ihre Art war.

 

          © www.pandaartfactory.de 2020

 Sauer + Sauer ≠ Doppelt Sauer

Sauer + Sauer = Unglaublich lecker

Sauer + Sauer = Durchbrechen eines Denkmusters

 

Der folgende Text hat eine Doppelfunktion:

Erstens kann er als praktischer Hausfrauen- / Hausmannstipp gelesen werden.

Zweitens, nach der notwendigen Verallgemeinerung, soll er eine Erkenntnis vermitteln bzw. zur Diskussion stellen.

Wiederum auf die Lebenswirklichkeit angewandt, kann die Einsicht erneut zum praktischen Tipp werden (optionale Drittfunktion)...

Sie sehen, ich selbst bin hochbegeistert von dem Thema und habe entsprechend viel versprochen!

Ich hoffe, Sie nicht zu enttäuschen.

 

Seit der verschärften Corona - Krise bereite ich häufiger als zuvor Speisen selbst zu. Das heißt, ich wechsle mich mit meinem Partner ab, der notgedrungen viel mehr Zeit zuhause verbringt als vorher. Die Einkäufe macht meistens er.

 

Neulich brachte er aus dem Supermarkt Äpfel mit, bio, die unglaublich groß waren (so dass man sich einen Apfel besser von vorneherein teilte). Groß und rot, reif, sehr aromatisch, von angenehm knackiger Konsistenz und sehr sehr saftig waren diese Äpfel, deren Sortennamen ich allerdings nicht kenne, weil eine Sechserschale mit Etikett nicht mehr vorhanden ist. Aber, und das ist ein Riesen - "Aber":

 

Diese Äpfel waren unfassbar sauer.

 

Zwei gaben wir an eine Nachbarin ab. Den letzten genieße ich gerade noch, neben dem Schreiben, und was sage ich - er schmeckt hinreißend! Kleine Stücke picke ich mir mit einem Gäbelchen aus der himbeerfarbenen Frischhaltebox, die neben dem Notebook steht. Gestern hatte ich den Apfel nämlich zum Müsli in Stücke geschnitten, aber natürlich nicht alles geschafft (siehe oben) und die restlichen Schnitzchen in der Box im Kühlschrank für heute morgen aufbewahrt.

 

Damit sie nicht durch Oxidation unansehnlich braun werden würden, hatte ich sie vorher mit etwas Saft aus einer Biozitrone beträufelt. Diesen cleveren Trick kennen Sie bestimmt.

 

Ungeplant hatte ich dadurch außerdem aus einem heftig sauren Apfel mit dem Saft einer schönen, von Natur aus sauren Zitrone EINEN NUR GANZ SCHWACH UND ANGENEHM SÄUERLICHEN Apfel gemacht; der, hätte er noch seine ursprüngliche Gestalt, vom verführerischen Baum im Paradies stammen könnte.

 

Hier also zunächst ein ...

 

Praktischer Tipp

Wenn Ihnen ein großer Apfel für den direkten Verzehr zu sauer ist, schneiden Sie ihn in kleine Schnitze, beträufeln Sie diese gleichmäßig mit dem Saft einer reifen, maximal halben, Bio-Zitrone und lassen Sie das Ganze über Nacht in einem Frischhalte - Behälter im Kühlschrank ruhen.

Sie brauchen dann keinen Zucker-verwandten Stoff, wie zum Beispiel Honig, zum Süßen zuzusetzen und erzielen außerdem einen delikaten Geschmack.

-----

Dass Kochen (Al-)Chemie ist, weiß man schon lange.

Neu für mich war dabei, dass der Zusatz von etwas Saurem zu etwas Saurem jenes Saure stark abmildern kann. (Ich schreibe absichtlich nicht "Säure", weil meine Chemiekenntnisse leider allenfalls rudimentär sind.) Vorsichtig verallgemeinernd gesprochen heißt das - wenn ich jetzt keinen Riesenfehler mache - als generelle

 

Gesetzmäßigkeit

Wenn zwei in einer Eigenschaft gleiche, aber sonst nicht identische Bestandteile unter bestimmten Bedingungen zusammengeführt werden, verstärkt sich die gemeinsame Eigenschaft nicht zwangsläufig, sondern verändert sich. Unter Umständen schwächt sie sich deutlich ab.

 

Nun wollte ich Anwendungsbeispiele für die Alltagswirklichkeit vorschlagen. Ich komme dabei von altbekannten Wahrheiten zum Spezielleren.

 

Anwendungsbeispiele

Selbst wenn du ein:e ungeübte:r Ko:e:ch:in bist, experimentiere ab und zu ein wenig, anstatt dich nur an deine Standardgerichte oder an Rezepte zu halten.

    Gib nicht auf, sondern versuche eine schwierige Sache einfach noch einmal anders.

 Halte einmal gewonnene Erkenntnisse nicht für ewiggültig.

    Viel hilft nicht immer viel. Viel kann viel helfen.

Wenn du sauer bist und dein:e Partner:in sauer ist, führt eure Verstimmung, euren Zorn in einer Weise zusammen.Ihr werdet am Ende nicht mit verdoppelter Verstimmung aus der Situation herausgehen.

 

Nachtrag:

Als Zeugen der Geschmacksmetamorphose des Apfels möchte ich meinen Partner anführen. Sonst gibt es niemanden, der die Sache bestätigen könnte. Mein Mann also hat auf meine Bitte hin ein Stückchen probiert und knapp dazu gesagt:

 

"Nicht mehr sauer."

 

©Janne Bender (2020)

Published on www.pandaartfactory.de