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 Der Titel wurde von dem gleichnamigen Film von Jean-Luc Godard (1966) übernommen.

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GEDANKEN  ÜBER  FOTOGRAFIE

Der Vogel, 3. März 2018

Heute, beim zufälligen Blick durch das Küchenfenster (oder vielleicht wollte ich es doch öffnen, denn es strahlte eine wunderbare Morgensonne, wenn auch immer noch Minusgrade vorhergesagt waren), schaute ich also leicht schräg unter mir im kahlen Baum auf einen größeren farbigen Vogel. Man darf sich die Entfernung nicht zu nah vorstellen, aber er war deutlich zu sehen, gefühlt in Lebensgröße: Ein Eichelhäher! Die türkisblau-schwarz gestreifte Feder an seiner mir zugewandten Seite leuchtete und seine dunklen Augen glitzerten; er hatte den Kopf in Richtung des Hauses gedreht. Wahrscheinlich genoss er die Sonne, denn er saß ganz ruhig, wobei er seine Federn aber nicht abspreizte oder sich gar putzte.

Schnell holte ich die handliche Lumix aus dem Nebenzimmer und noch auf dem Weg zurück machte ich sie fotografier-fertig, war mir nur etwas unsicher, ob ich es wagen sollte, für ein besseres Bild leise das Fenster zu öffnen. Diese Entscheidung wurde mir abgenommen - der Ast war leer. Nein, ich sage nicht, dass mir das Ganze nachträglich nun wie ein Traumbild vorkam, denn so selten ist ein Eichelhäher nun auch wieder nicht. Ich war auch nicht enttäuscht, nur  sehr beschämt.

 

Auszug aus dem Ersten Pandaheft, 1996

[Hierbei handelt es sich um einen aus dem Bewusstseinsstrom niedergeschriebenen unkorrigierten Text mit Illustrationen.]

 

06. September

So viele Fotografien, so viele völlig unterschiedliche Bilder. Heute lachte ich über einzelne Schnappschüsse, die darunter waren. - Das Bild auf dieser Zeitungsseite [Foto: Prinz Claus beim Besuch einer niederländischen Blumenfarm] ist anrührend schön in seiner tragischen Komik. Ein gutes Portrait in adäquaten, fein komponierten Farben, die der unfreiwillig verfremdende Zeitungsdruck sicherlich noch poetisiert hat. -

Die Schnappschüsse aus dem Karton, in den ich vorhin hineingeschaut habe, sind so komisch, weil sie keine komische Situation festhalten sollten, sondern eine verborgene Komik herausbelichtet haben. Ich nenne das mal Enthüllungsfotografie. […]

 

27. September

[…] Künstlerische Fotografie ist keine Kunst. Die Natur ist schön. Ein Foto von der schönen Natur ist keine Kunst! Ein künstlerisches Foto von einem Kunstwerk ist dann schon mehr Kunst.

 

 

Landschaftsbilder, im Vorüberfahren. Aus dem Zug. (Essay zur Ausstellung)

(7. Januar 2019)

Wieso sollte jemand daran interessiert sein, über Jahre hin aus fahrenden Zügen zu fotografieren? It's weird! It's whimsical! Eine Antwort auf die bisher von niemandem aufgeworfene Frage nach dem Hintergrund dieser fotografischen Marotte  ...

 

Auf einer Bahnfahrt versuchen wir Reisenden früher oder später, aufkommender Langeweile und psycho-physischer Ermüdung entgegenzuwirken. Wir schreiben und empfangen Emails auf Smartphone, Tablet oder Notebook, hören Musik über Kopfhörer, schauen uns Filme an; wir lesen Zeitung, blättern im Reisemagazin der DB oder schaffen einen Roman fast bis zum Schluss; es finden angeregte und manchmal tiefschürfende Gespräche mit uns unbekannten Mitreisenden am Tisch statt; wir essen und trinken und spielen auch heute noch „Ich-sehe-was-was-du-nicht-siehst“ mit unseren Kindern. Und ich schieße immer gerne einmal eine größere Anzahl von Fotos durch das Fenster nach draußen.

 Übrigens erledigen wir nur, wenn wir die Fahrt als solche ignorieren möchten, vom Betreten des Zuges bis zum Zielbahnhof durch und durch nützliche Tätigkeiten wie Prüfungsvorbereitungen oder die Pflege von Kundenkontakten (letztere dann hoffentlich nicht am Mobiltelefon). Sind wir dagegen emotional involvierte Reisende, empfinden wir zum Beispiel Abschiedsschmerz oder die Vorfreude auf ein Wiedersehen, manchmal melancholische Trägheit, Ärger über Umstände, die uns das Reiseerlebnis zu vermiesen drohen, und gar nicht so selten ein generelles Gefühl des Aufbruchs und der neugierigen Offenheit während der Fahrt als solcher. Religiöse Gefühle und ungebrochene Naturbegeisterung dürften dagegen eher selten aufkommen. Bei Eichendorffs romantischem „Taugenichts“, der hier in einer Kutsche unterwegs ist, gehörten sie noch dazu:

„Wir aber rasselten durch die stille Nacht einen Steinweg hinan, der sich auf einen hohen Berg hinaufzog. Bald überdeckten hohe Bäume und herabhängende Sträucher den ganzen Hohlweg, bald konnte man auf einmal wieder das ganze Firmament und in der Tiefe die weite stille Runde von Bergen, Wäldern und Tälern übersehen.“               Joseph von Eichendorff, Aus dem Leben eines Taugenichts, 5. Kapitel

Der Blick nach draußen ist dagegen auch heute noch ein wichtiger Bestandteil des Reisens. Deshalb sind Fensterplätze in der Bahn bei den meisten Passagieren beliebter als die Plätze am Gang, sogar, wenn man dafür rückwärts fahren muss. Zumindest früher haben wir uns gerne auf ein Getränk im Speisewagen niedergelassen, einfach weil der Blick auf die Landschaft durch größere, getönte Scheiben dort besonders attraktiv war. Allerdings waren in überfüllten Zügen die Plätze aus praktischen Beweggründen heraus eventuell schon besetzt. Ganz ganz früher konnte man auch die Zugfenster im Abteil öffnen, um einen unverstellten Blick nach draußen zu werfen und bei Gefallen ein Motiv in einem Foto festzuhalten.

 

Outing als unverbesserliche Romantikerin

 

Das eigentlich Charakteristische der Durch-Das-Zugfenster-Fotografie ergibt sich aus der einfachen Tatsache, dass eine Person sich nicht dafür zu blöde ist, die Kamera immer wieder durch das Fenster eines fahrenden ICE oder Regio nach draußen zu richten.

Die fotografischen Resultate aus solchen Bemühungen können heutigen fotografischen Standards nämlich kaum entsprechen. Die Bilder leben von dem Flüchtigen, nur mühsam Festgehaltenen, inklusive einiger auf den Fotos verbleibenden Mängeln. Jede Kamera eines neueren Mittelklassehandys ermöglicht es den Besitzer*innen dagegen, ohne große Mühe reiseprospekt - taugliche Landschaftsfotos zu generieren, zumindest zusammen mit dem mitgelieferten Bearbeitungsprogramm! Durch die Fensterscheiben der fahrenden Bahn aufgenommene Motive gehören bisher irgendwie nicht dazu. Dabei käme man mit der Sport-Aufnahmen – Funktion der Sache schon ganz nahe. Als erstes müsste die dann aber anders heißen.

Es bleibt der künstlerische Ansatz. Aber was, so befrage ich mich, soll das für einer sein? Ich frage also noch einmal (Entschuldigung): Was, um Himmels willen, sucht oder findet, wer seinen faszinierten Kamera - Blick auf die draußen vorüberziehende Landschaft richtet? Die nur auf wenigen Strecken als "atemberaubend schön" durchgehen kann?

Meine Antwort auf die selbst aufgeworfenen Fragen ist folgender dringender Verdacht: Es handelt sich in meinem Fall um ein nur kaum getarntes, im Kern rettungslos  r o m a n t i s c h e s  fotografierendes Subjekt.

Lassen Sie mich noch die Gründe für den eben behaupteten romantischen Charakter der Durch-das-Zugfenster-Fotografiererei anführen . Es wäre fantastisch, wenn Sie wider Erwarten dabeiblieben! Es würde mich sehr glücklich machen!

Nun also … Dem* Romantiker*in ist die Fahrt selbst das Wichtigste. Das „gelungene“ Foto darf, ja soll deshalb die Grundsituation des Fahrens enthalten und die Bewegung des Zuges aufnehmen. Ohnehin wird die Nähe (verschwommen) im romantischen Reiseempfinden weniger wertgeschätzt als die Ferne (schärfer). In weiter Ferne liegt das geahnte, ersehnte Ziel, das logischer Weise nie erreicht werden kann, da es beim – ernüchternden - Näherkommen seine Qualität als vage Ferne verlieren würde. Dahinter tut sich eine neue Ferne auf. - Ein flüchtiger schöner Anblick, ein besonderer Moment - im Vorüberfahren löst er ein freudiges Gefühl aus und wirkt fort, indem er der Fantasie Nahrung gibt und die romantische Sehnsucht befeuert. Das kann der berühmte einsame knorrige Baum sein, aber auch eine Gruppe Jugendlicher in punkigen Klamotten, die zusammengekuschelt in einem Buswartehäuschen vor dem Regen Unterschlupf suchen. Dahinter ein Dorf und Hügel. Die Welt der Romantiker*innen ist ja voller Geschichten und Wunder, die nur entdeckt werden wollen. Vielleicht hat die Kamera den besonderen Anblick und wunderbaren Moment also sogar „bemerkt“ und aufscheinen lassen, der meinen schwächlichen Augen gerade entgangen ist? (Statt des „Zauberwortes“ im Novalis – Gedicht, das dort das schlafende Lied in den Dingen zum Singen bringt.) Bei den jungen Leuten war es nun gerade umgekehrt - Fotograf*innenschicksal. Einmal ins Bild gebannt und konserviert, wird das Wunderbare sich allerdings eher über kurz als über lang sowieso wieder entzaubern. Leider hat die Fotografie als Medium nämlich etwas Kurzlebiges an sich, bei aller fotografischen Jagd des Subjekts nach dem Einzigartigen, das sich dauerhaft einprägen und Bestand haben wird. * Aber: Man kann es ja von Neuem einzufangen versuchen. Man wird.

Welche Wunder hinter den Zugfenstern sucht die Romantikerin in dem gelungenen Bild (die Bewegung einschließend)? Vor allem wird sie die Landschaft da draußen in ihren Formen und Farben beeindrucken, und da sie in kindlicher Weise begeisterungsfähig ist, muss es keine „spektakuläre“ Landschaft sein. Die horizontale Gliederung, Himmel und Wolken reichen ihr schon, intensive Farbigkeit oder lauter grautönige Schleier. Menschen und Objekte innerhalb der Szenerie rufen Gefühle hervor und setzen Gedanken in Gang. Dabei bleiben die Gedanken, ausgelöst durch die sinnlichen Eindrücke, während des romantischen Reisens leider ziemlich undifferenziert. Gerne darf es um Harmonie, Wunschträume, Geheimnis oder zumindest Überraschungen gehen; die Fantasie malt sich eine Natur mit klarer Luft und sauberem Wasser aus, mit Tieren vielfältiger Art, darin gute Behausungen mit glücklichen, kreativen Menschen ohne erzwungene Armut. Krisen, die überwunden werden, Transformation, Entwicklung! Allerdings ...

In den großen abgezirkelten Feldern intensiver Landwirtschaft verbirgt sich das Wunderbare bestimmt nicht und wahrscheinlich auch selten in den adretten Häusern, die dazwischen zu sehen sind (historisch – romantisch gesprochen: in denen die Philister wohnen). Heruntergekommene ehemalige Bahnwärterhäuschen regen dann schon eher die Fantasie an. Auch ein Netz von Straßen mit sagenhaft vielen Autos ist nicht sehnsuchtsfördernd und „Wohnsilos“ stimmen ratlos. Heftig rauchende Fabrikschlote und besonders ferne Atomkraftwerke, die ja nie direkt an einer Bahnlinie liegen, wecken starke negative Emotionen. Und desillusionieren schlagartig das romantische Fernweh.

Ebenso schwer fällt es, das Wunderbare in einem Stück Wald zu verorten, der kurz ins Bild kommt, will man nicht sämtliches Wissen über Luftverschmutzung und Waldsterben ignorieren. Eine besonders knifflige künstlerische Frage stellt sich bei den Windparkanlagen. Aus der Ferne wirken sie leicht lächerlich, kleine putzige uniforme Spielzeugmühlen. Aus der Nähe kann man sie nicht angemessen, und das hieße: dokumentarisch – scharf, fotografieren.

 

Allerdings: Romantiker*innen sind meistens sehr sehr hartnäckig. Sie lassen sich nicht leicht entmutigen.

 

So versuchen sie in Fotomotiven wie dem sich dahinziehende Fluss, auf dem andere Reisende unterwegs sind, die herbstlich – intensive Stimmung einzufangen, die Überraschung beim gerade erst freigegebenen Blick auf eine Stadt oder die Schönheit der hintereinander gestaffelten „exotisch“ geformten, feingezeichneten Bergketten im fernen China. Dafür nehmen sie auch den Stress auf sich, dem das Fotografieren beim schnellen Fahren unterliegt. Kurze, poetische, als wesentlich empfundene Momente wollen eingefangen werden. Wann kommen sie? Keine*r weiß das genau. Husch – schon vorbei.

Immer wieder stellt sich Ernüchterung ein. Recht so! Die romantische Wahrnehmung ist sowieso tendenziell reaktionär. Das hat schon der emanzipierte „letzte Romantiker“ Heinrich Heine vor schlappen 200 Jahren erkannt. Wenn nun das träumerisch auf einer Morgenwiese auftauchende einsame Pferd - ja, ganz dem Klischee entsprechend - nicht „angemessen“ auf dem Foto wiedergegeben ist, muss das Foto eben verworfen werden. Besser so! Andererseits: Warum eigentlich? Als Kitschbild taugt es zwar nicht. Die Ernüchterung (das Realitätsprinzip) könnte man aber als Störfaktor im Bild beibehalten, so wie eine perspektivisch verzerrte Signalanlage oder sogar das Schiff auf dem Fluss, das man ja schnell als touristisches Ausflugsboot erkennt, welches nichts Abenteuerliches hat. Nun war die „Desillusionierung“ aber schon immer Teil des romantischen Erlebens. Romantische Ironie genannt, bezeichnet sie den Moment, in dem der Romantiker, die Romantikerin in der Alltagsrealität aufschlägt. Das Dilemma bleibt also. Man mag es drehen oder wenden: Es gibt keine überzeugende Rechtfertigung für „Landschaftsbilder, im Vorüberfahren, aus dem Zug“.

 

Zum guten Schluss

Ich möchte mich nun mindestens eintausendneunhunderteinundfünfzig Mal bei allen Leser*innen dieses Essays bedanken, die bei der Lektüre soweit durchgehalten haben; bei allen Fotograf*innen, Reisenden der Deutschen Bahn und allen anderen Mitmenschen!

Auch wollte ich ursprünglich nicht um derartig viel Verständnis, ja Mitleid für meine Marotte werben. Dafür bitte ich ebensoviele Male um Entschuldigung.

Von einer gewissen Peinlichkeit abgesehen, handelt es sich schlussendlich nämlich einfach um einen sehr angenehmen Zeitvertreib. Man fotografiert hoffnungsfroh aus Zugfenstern hinaus um anschließend sozusagen die Goldkörnchen unter den Dateien auszusieben und das Übrige in den Papierkorb zu werfen.

Wenn man meint, dass es auch das Katzengold tut, da ja auch Katzengold die Seele beflügeln kann. Metaphorisch gesprochen. Im romantischen Sinne.

_________

* Diesen Gedanken zu vertiefen, würde mehr als einen weiteren Text erfordern. Es handelt sich um ein Thema, das so alt ist wie die Fotografie selbst, mit einer Fülle von Beiträgen. Ausdiskutiert ist es noch immer nicht.

 

Post zum Artikel

 Interview mit Sigrid Grajek  -Ich bin nun mal kein Gretchen“  

 (taz.de und die tageszeitung vom 26.05.2018

 http://www.taz.de/!5506374/#

 

Sprachkritischer Post zum Artikel

Kommentar zur neuen alten Regierung Magma unter der Oberfläche“

(taz.de und die tageszeitung vom 17.02.2018)

http://www.taz.de/!ku40744/

 

Post zum Artikel

Deniz Yücel nach seiner Freilassung - "Es bleibt etwas Bitteres zurück"

(taz.de und die tageszeitung vom 15.03.2018)

http://www.taz.de/!ku40744/

 

Einfühlsame Reportage (Printausgabe, taz am wochenende /Juni 2018)

 ["Der fremde Sohn"]

 

Anders als im Falle eines früheren provokanten taz-Artikels ihres Kollegen Hannes Koch über seine persönliche Negativerfahrung bei dem unbeholfenen Versuch, den syrischen Flüchtling Karim eine Zeitlang zu begleiten, handelt Veronika Wulfs Reportage von der gelungenen Integration des jungen Juody – auch er aus Syrien.

 

Auf der Grundlage einer Art Langzeitbeobachtung mit eigenem großem Einsatz erzählt die Journalistin Juodys Geschichte inmitten der schwäbischen Familie Bernhardt, die ihn als Pflegekind aufgenommen hat. Wie die neuen Eltern lange Zeit unter der Sprachlosigkeit und Verschlossenheit des „fremden Sohnes“ leiden, wie der ganz allmählich seine große Verunsicherung überwinden lernt und sich öffnet, das berührt und es ist spannend zu lesen.

 

Juodys Integrationsleistung wird möglich gemacht durch die liebevolle Zuwendung, den absoluten Respekt, die Geduld und Authentizität der Menschen in seiner nahen Umgebung. Es sind persönliche Ängste und Trauer, kulturelle Differenzen und das gesellschaftliche Klima in Deutschland, die für den syrischen Jugendlichen zunächst große Schwierigkeiten auftürmen. Dies beleuchtet Veronika Wulf durch einen außerordentlich klugen „Trick“: Sie lässt den jungen Flüchtling, der sich ja inzwischen artikulieren kann, die Probleme von damals kommentieren, im Kontrast mit deren Darstellung durch Christa und Rainer Bernhardt. Auf diesem Wege stellt sich ein  nachträgliches  Verstehen ein. Neben anderen Stellen werden den Leser*innen so einige überzeugende mögliche Erklärungen angeboten.

 

Diese einfühlsame Reportage ist nicht nur anschaulich und konkret, sondern auch ein Stück analytisch zu nennen. Sie zu lesen tut gut in Zeiten, in denen gebetsmühlenartige Jammerer, kalte Anti - Flüchtlings - Strategen und kläffende Hetzer die öffentliche Meinung zu bestimmen versuchen. Vor allem macht sie Mut, sich zu engagieren.

 

 Das alles ist eines Journalistenpreises würdig!

 

 Die religiöse Kluft überwunden (Printausgabe / Dezember 2017)

 ["Liebe, Demut und Atome"]

Die kluge und mit - fühlende Menschen- und Tierrechtlerin, Feministin, Philosophin und Muslimin Hilal Sezgin überwindet in ihrem Artikel die scheinbar unüberbrückbare Kluft zwischen Atheist*innen und gläubigen Menschen. Sehr schön dabei der Hinweis auf die Gläubigkeit der großen Repräsentanten der europäischen Aufklärung! Fanatische Muslime (= Islamisten) oder dogmatische, fundamentalistische Christen stehen hier einmal nicht im Mittelpunkt der Überlegungen, da wir uns in unserer Ablehnung einig sein dürften und die Kolumne ja 'Schlagl_och' und nicht 'Schnellstraße' oder 'Trampelpfad' heißt.

Eine Muslimin schreibt hier also in der Weihnachtszeit einen taz-Artikel, der mir als Christin aus der Seele spricht. Ganz schön verrückt. Ich sage lieber: grenzüberschreitend, transzendierend, und deshalb so klug. Um sich nach Möglichkeit zum Wohle der Mitmenschen, der Umwelt und zum eigenen Wohlergehen, religiös gesprochen: zum Wohle der Schöpfung, zu engagieren.