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ZEITMESSUNG (2018)

(leider nichts für Physiker)

(leider nichts für Uhren-und-Schmuck-Geschäfte)

 

Die Zeit Der Wecker war stehengeblieben.

Zunächst unbemerkt erst später bemerkt und absolut unauffindbar war auch ein winziges Rädchen abgefallen. Um Den Wecker Die Zeit wieder in Gang zu setzen bekam Der Wecker eine neue Batterie. Sofort begann Der Sekundenzeiger ruckartig voranzueilen. Es war 11 Uhr 2, am Tag, denn von draußen schien die Sonne herein, bald 11 Uhr 3. Diese Zeit war falsch. Dieser Wecker zeigte nur noch Das Vergehen Der Zeit. Dieser Wecker ließ sich nicht mehr verstellen bzw. war verstellt. Die Zeitangabe: vielleicht für immer unbrauchbar. Die Weckzeit: unzuverlässig. Der Wecker immer noch hübsch. Eine Reparatur Des Weckers gewiss zu teuer oder nicht möglich. Das Handy nach wie vor funktionstüchtig. Das Angebot Der Zeit nicht auf sie zu achten zu großzügig.

 

--> -->   IM CAFÉ    (2018)

 Der Text „Zeitmessung“ war dem Gegenüber, das sich interessiert gezeigt hatte, gerade zur Begutachtung vorgelesen worden. Mit mäßigem Erfolg, wie sich zeigen wird.

 

Aha … Najaaa … Sagen Sie aber, worauf wollen Sie denn eigentlich hinaus? Geht es Ihnen um das unerbittliche Vergehen der Zeit? Oder um deren Messbarkeit? Das verstehe ich nicht.

 

Also ich denke, der Schlusssatz gibt in dieser Hinsicht doch recht deutliche Signale.

 

Finden Sie?

 

(Schweigen.)

 

Nein, wirklich, aus dem Gesamttext geht keine klare Aussage hervor, Schlusssatz hin oder her.

 

(Kleinlaut) Naja, ich dachte an dieses Unvermögen, seine Zeit zu verbringen, ohne ständig auf die Zeit zu achten. Mit anderen Worten, wir versuchen nicht einmal eine Zeitlang ohne Uhren als ständige – eh – Begleiter oder Mahner auszukommen. (Sicherer) Unsere Tage sind durchgetaktet. Die Terminkalender voll, alles für mindestens einen Monat durchgeplant. (Ereifert sich.) Wir räumen dem Treffen mit einem alten Freund, einer alten Freundin vielleicht gerade mal 90, vielleicht 180 Minuten ein. 180 Minuten, das ist schon wie ein Film mit Überlänge. Entsprechend teuer! Zeit ist ja Geld … ich weiß, eine abgedroschene Formulierung. Auch sonst soll fast alles in einer bestimmten, knapp bemessenen Zeit erledigt werden und die Beschleunigung im modernen Leben …

 

(Unterbricht) Können Sie sich bitte etwas kürzer fassen?

 

Ja, natürlich. Nur noch zwei, drei Punkte. Da wird von einem 'Zeitfenster' von drei Tagen gesprochen!' Wie ich diesen Ausdruck hasse. (Leert ihren Espresso und trinkt einen guten Schluck Wasser hinterher. Mit ewas Stolz:) Dabei wird seit den Anfängen der Philosphie darüber nachgedacht, was Zeit überhaupt ist! Platon, Aristoteles, Newton, Meister Eckart - natürlich vor Newton - , Ernst Mach – kennen Sie den? und so fort. (dozierend) Eine wesentliche Frage ist, also die Kernfrage dabei ist, ob Zeit außerhalb unseres Bewusstseins existiert. Ich denke eigentlich, nein, aber ich bin mir natürlich nicht sicher. Im Text, um noch einmal k u r z darauf zurückzukommen, wird die Frage aufgeworfen, … gut, angedeutet, warum wir die Zeit nicht einfach „laufen“ lassen. (pathetisch) Ja, warum können wir das Diktat der Zeit nicht außer Kraft setzen? Warum können wir das erstickende Zeitkorsett nicht ablegen, wenigstens gelegentlich, wenigstens für eine Weile?! (holt Luft)

 

(Übergeht großzügig die gewagte Metapher) Dann schreiben Sie all diese philosophischen Dinge doch in den Text hinein, anstatt hier zu improvisieren.

 

(Wehrt sich) Ich wollte definitiv keine philosophische Abhandlung schreiben.

 

(Höhnisch) Offensichtlich nicht. Das ist Ihnen gelungen – ich meine, keine philosophische Abhandlung zu schreiben.

 

(Gekränkte Pause.)

 

Wie stellen Sie sich das eigentlich überhaupt vor? Eine W e i l e dem Diktat der Zeit entkommen? Wie lange würden Sie denn gerne die Zeit laufen lassen – ein paar Stunden, drei Tage? Ein verlängertes Wochenende? Einige Jahre, als Aussteigerin in Spanien?

 

Wieso Spanien?

 

Das war ja nur ein Beispiel. Beispiele würden Ihrem Text guttun. (Lenkt aus unbekannten Gründen ein) Aber das Thema ist wirklich sehr komplex. Ein Denkanstoß geht von Ihrem kleinen Werk auf jeden Fall aus. Auch irgendwie rhythmisch, das Ganze, und originell.

 

Danke. (Pause. Trinkt wieder etwas Wasser und geht zu selbstkritischen Äußerungen über.) Ich muss sagen, ich selbst vermisse ein Stück Ernsthaftigkeit in meinen Zeilen. „Das Angebot Der Zeit nicht auf sie zu achten zu großzügig“ . Der Einfall ist mehr kokett als tiefgründig. Von einem lächerlichen abgefallenen Schräubchen an einem Wecker kann man in den folgenden zehn Sätzen wohl kaum zu etwas Tieferem vordringen.

 

12.

 

Wie meinen Sie das, „12“?

 

12 Sätze. Der Feststellung, dass ein winziges Rädchen unauffindbar abgefallen ist, folgen bei Ihnen 12 Sätze, nicht 10. Den Schlusssatz habe ich natürlich mitgerechnet.

 

Sie haben während des Vorlesens die Sätze gezählt?!

 

Die Anzahl einfach so erfasst, würde ich sagen. Liegt in der Familie. Unwillkürliches unbewusstes Zählen. Eine Art Gendefekt! (Lacht. Klappt sein Tablet auf.)

 

Gut, dann gehe ich mal rein und zahle. Die Zeit verfliegt so schnell, wenn man ein tendenziell kontroverses Gespräch führt.

 

Exakt. Ich bleibe noch ein bisschen. Wissen Sie, ich sammle gerne Redewendungen und erfinde Wortspiele. „Sie sind immer noch zeitlos schön, Werteste.“ „Und Sie wirken wie aus der Zeit gefallen, aber das gefällt mir! “ Solche Sachen.

 

Als sie noch einmal zum Tisch zurückkam, machte er einen geistesabwesenden Eindruck. Er war intensiv damit beschäftigt, allerhand in das Tablet zu tippen. Dabei murmelte er gleichzeitig vor sich hin und lachte glucksend, wenn es ihm besonders gefiel:

 

„Herbst Zeit Lose“ … „Kommt Zeit kommt Rad; mit 'd' “ … „Der Wecker geht mir auf den Zeiger“.

 

Sie verzog sich möglichst leise. Zuhause wollte sie einen neuen Text versuchen, ein Gedicht.

Der Anfang stand schon fest:

 

                                                                        Die Uhr im Kopf läuft

                                                                                    Ungerührt

 

Kleiner Handschuh  (2020)

Zwei Gedichte zu  einem  Motiv

 

I

 

Leicht wippt er am Zweig

des Winterstrauchs

im Wind, der heute etwas schärfer weht.

 

Seitlich am Hang

zur Straße hin

bewegt sich die seltsame Blüte auf und ab.

 

Kleiner gelb-blauer Handschuh

am Winterstrauch

 

Erinnerst mich an den Frühling!

 

II

 

leicht wippt er am zweig

des winterstrauchs

im wind, der heute etwas schärfer weht.

seitlich am hang

zur straße hin

bewegt sich die seltsame blüte auf und ab -

 

ich sehe

 

ein kind hatte dich verloren

den fund hat jemand auf die spitze

des zweiges aufgesteckt

 

ich denke

 

vielleicht lächelte der mensch selbst

über diese originelle blüte

 

ich überlege

 

vielleicht hat eine mutter

oder ein vater

den fremden kinderhandschuh auf bitten des eigenen

kindes auf den zweig gesteckt, der sich am hang

zur straße beugt

 

als sie zusammen vorbeikamen und

ihn auf dem weg liegen sahen.

 

(denn es ist eine kindlich-spielerische anordnung.)

 

dann freute sich das kind vielleicht über seine

praktische idee

und war zuversichtlich, dass /

oder es fragte besorgt, ob

 

das kind, das den handschuh verloren

hatte, ihn denn dort sehen und wiederfinden würde?

dann antwortete die mutter oder der vater vielleicht,

dass die chancen auf jeden fall gut stehen.

 

Denn herausgehoben wippt der

gelb-blaue handschuh am winterzweig.

 

du erfreust mich,

kleiner handschuh, heitere blüte!

machst mir ein winterlächeln

 

lässt mich an den letzten frühling denken, als dieser strauch blühte,

und an einen kommenden

 

© www.pandaartfactory.de

 

 

Walking through PARK AM GLEISDREIECK (2018, 2019.)

 

10 – Wort – Gedichte

  

AUSWAHL (10) AUS DEN PARKGEDICHTEN (150)IN CHRONOLOGISCHER REIHENFOLGE

 

1 15.6.2018

 Befürchtung:

 Eines Tages

könnten die Parkkaninchen

zur Plage

erklärt werden.

 

15.6.

Drei Kleidungsstücke

Trocknen überm Zaun.

 Vor der Schlafbank

 Säuberlich ausgelegt.

 

6 15.6.

 Junge braunfellige Kaninchen

hoppeln,

jagen sich

im Rundlauf.

 Eines mümmelt.

 

 

7 23.6.

Zarte

rosa

dunkelrosa

lilafarbene Rosenblüten

hängen

über den Zaun.

Regenschwer.

 

15 30.6.

Am Samstag Vormittag

wird

Sport getrieben:

Zirkeltraining

Yoga

Trampolinspringen

Rollern

 

41 8.8.

Realistisch

 

Wissenschaftler*innen erwarten

eine HEISS-

Zeit.

Das Wort brennt

sich ein.

 

60 14.9.

 Schmalblättrige

 Doppelsame.

 Der Gattung Diplotaxis

 Tennifolia.

 Stinkraute,

 wilde Raute,

 

du!

 

 97 23.2.

 Gemächlich

 Ich

 lasse nacheinander

 passieren

ICE

Regio

ODEG

S – BAHN

JOGGERIN-UND-HUND

 

137 18.4.

 Abkürzungsverbot

 

Beim Laufen

 die öden Weg

 aushalten.

 

Die kurzweiligen

 auskosten.

 

 139 22.4. [zum 20.4.] „Diplon“ (für ein Gedicht

                       aus zwei 10-Wort-Einheiten)

Bus stoppt -

 Polizeisperre Yorckstraße.

 

Wir Fahrgäste gehen zu

Fuß weiter.

 

 Bald

 der verhasste Geruch

 

 Rauch: eher wenig;

aufsteigend parkseitig links

 

_______

Mit einem "Endekaton“ (einem Gedicht aus elf Einheiten / hier à 10 Wörtern) wurde das von Juni 2018 bis Mai 2019 währende Projekt abgeschlossen. Während dieser Zeit haben sich der Park, meine Wahrnehmung des Parks, ich selbst wahrscheinlich verändert. Die Kurzgedichte sind jeweils nach zahlreichen Parkbesuchen – mit dem primären Ziel sportlicher Ertüchtigung - entstanden. Ungeplant führte das abschließende Gedicht zum Motiv des ersten zurück.

                 [Aus der Reihe: Corona - Walks]  Gedichte; Prosagedicht

  

   18.03.2020 

    Berauschen wir uns weiter

                                an get-togethers im Park

 

    droht

                                 Ausgangssperre.

  

   

  29.04.2020

      

                         Ende April 2020

 

 Die Kreuzberger Wiese

   ist angeschlagen.                               

 

 Durch die Trockenheit

 dürrer Jahre

   

 Im Stress der Coronazeit.
 

 Einander ausweichend

                                 trampeln wir sie herunter

 

      neben der Spur.

                          

                                   Nicht flächendeckend

     dauerhaft kann

                                 

 gesprengt,

    gewässert werden.

 

 Ach,

   ganz räudig siehst du nun aus

   vielerorts!

 

   Es erscheinen daher

 vor meinem inneren Auge)

 

 magere Hunde

  in räudig geflecktem Fell

   und in großer Zahl.

 

 Rastlos unermüdlich suchen sie

    an den Rändern nach

    Essbarem

 

     während die anderen

     brav an der Leine laufen

 

    oder fröhlich

 

 in der grünen Mitte tollen

                                                      

                                 © Janne Bender Corona - Walks (2020). All Rights Reserved.

 

             17.04.2020 

 

Auf der mittleren von drei Bänken an der Auffahrt von der Möckernstraße
Vor mir der Spielplatz
hinter rot- weißem straff gespanntem Band
auf der Bank links neben mir
zwei Jungs; getrennt nur durch des einen Rucksack


Brüder? Kaum, vielleicht Cousins, doch am wahrscheinlichsten: just
friends.

 
Sie sprechen über beider bevorstehende MSA Prüfung.
Hab vergessen, wann, aber bald wird's sein.
Sie beugen sich über ein Blatt Papier mit einem Terminplan.(Unverkennbar das Kalenderhafte.)

Auf der Bank rechter Hand eine Frau.
Wir haben einander angelächelt.
Sie schließt die Augen in der Sonne.


In der Mitte des Triptychons:

 

Ich.

 
Heute höre ich einmal Radio.
Es sind aktuell 16 Grad, es ist 17 Uhr fünf.
Gerne lasse ich mich dann in die Musik fallen und von der Wärme umhüllen.

 

Ich schließe die Augen wie meine Nachbarin.
Falls meine Gesichtshaut oder die Nase plötzlich jucken, halte ich ein Taschentuch parat. Und jetzt benutze ich es.


Schon wieder wird gesprochen auf dem Sender. Eltern meinen, dass bei den am Montag in Berlin beginnenden Abiturprüfungen die Sicherheit von Prüflingen mit besonderem gesundheitlichem Risiko nicht gewährleistet sei. -

 

Der Bundespräsident, Wolfgang Schäuble, habe ja für eine Verkürzung der Sommerferien plädiert, damit Schülerinnen und Schüler Schulstoff nacharbeiten können. Hörer durften dazu anrufen. Das Interesse sei  riesengroß, die Leitungen stünden nicht still.

 

Irgendwie bin ich froh, dass ich inzwischen pensioniert bin.

Auch vor Corona: immer neue Vorgaben von oben. Das Lehren und Lernen nicht immer sinnhaft.

 

Die meisten Anrufer:innen sind für den Vorschlag.

Meine Augen sind wieder geöffnet. Die Nachbarin rechts steht auf und geht.Ich nehme die Ohrstöpsel heraus und das Kabel aus dem Smartphone, wodurch sich auch das Radio ausschaltet. Die Jungs reden immer noch über den MSA. Der eine hält ein Übungsheft in der Hand, das er manchmal aufschlägt, ohne hineinzusehen, manchmal schließt.

 

'Finale' steht in großen Buchstaben auf dem Cover. Wie einen Talisman hält er es, denke ich, oder wie ein Faustpfand.

 

Jetzt telefoniert der andere eine Runde. Ich höre weg.

 
Weiter entfernt, die Augen halb geradeaus und halb nach links gerichtet, ist viel mehr los als hier bei uns. Auf dem Weg und auf der Wiese.

 

Was bin ich unruhig heute! Und gleichzeitig müde.

 
Ich denke an den Sommerferienvorschlag, der mich gar nicht betrifft. Ich versuche, nicht darüber hinauszudenken. Ich denke aber daran, dass die Corona - Sommerferien der Menschen schon bald wieder Vergangenheit sein werden. Es erstaunt mich, wie warm die Sonne ist, wenn man auf dieser Bank sitzt.


Nach dem Telefonat ist der eine Junge aufgestanden und er streckt sich ein bisschen und läuft ein paar Schritte. Das goldfarbene Armband baumelt an seinem Handgelenk. Kaum hat er sich wieder zu seinem Freund gesetzt - ohne Sicherheitsabstand, aber ich nehme es ihm komischer Weise nicht übel, kein Stück, also jedenfalls dann fängt der Freund an, ihm Englischfragen aus dem Arbeitsheft mit den Musteraufgaben zu stellen. Sie sprechen jetzt ziemlich laut und der junge Mann löst die Aufgaben ganz gut. OK, er macht dieselben typischen Fehler wie viele meiner früheren Schüler:innen ... Tell me what you can do in your city in the summer! Berlin, sagt er dann in seiner Antwort, mit der Betonung auf der ersten Silbe, mit einem ö und mit einem harten r, aber das fällt nicht ins Gewicht. Ja, und einmal später wissen sie nicht weiter.

 

Ich mische mich nicht ein, um zu helfen, es wäre vielleicht gar keine Hilfe. Vor allem glaube ich: Sie machen das schon.

 
Sie machen es gut, die meisten Jugendlichen, sie sind tapfer und versuchen, ruhig zu bleiben, und trotzdem zu leben.

Für heute verabschiede ich mich von der Sonne und vom Park. Ich fühle mich seltsam getröstet. Ich gehe jetzt nachhause, wo man auf mich wartet. Hab noch Verschiedenes zu tun.

 

     © Janne Bender 2020. Published on www.pandaartfactory.de

 

                    

Die Sonne tönte nach alter Weise / In Brudersphären Wettgesang / Und ihre vorgeschriebne Reise /

Vollendete sie mit Donnerklang /

nach : Johann Wolfgang Goethe, Faust I, Prolog im Himmel

 

Die Uhr im Kopf läuft

Ungerührt

Hilft dieses auf den Punkt vollenden und jenes zu tun

oder zu lassen angesichts der fortschreitenden Zeit

 

Vielleicht bekomme ich den gelben Bus noch

Wie gut, dass ich nur selten eine farbenfrohe Verabredung verpasse!

 

Die Uhr im Kopf läuft

Ungerührt

Hilft dieses auf den Punkt vollenden und jenes zu tun

oder manchmal zu lassen angesichts der fortgeschrittenen Zeit

 

Im Stau werden unzählige Autos zum Stillstand gebracht

(doch wurden die Fahrer immerhin vorgewarnt).

 

Gestern war die Luft schlechter.

 

Die Uhr im Kopf läuft

Ungerührt

Hilft dieses zu tun und trotzdem jenes nicht zu

lassen angesichts der fortschreitenden Zeit.

 

Mit Sekundenbruchteilen setzen sich die Läufer*innen von früheren Siegen ab.

 

Entschleunigen!

 

So lautet die Beschwörung im Achtsamkeitskurs.

 

Zeitnah kommen die Nachrichten herein und

immer zeitnäher, wäre diese Steigerung grammatikalisch korrekt.

 

Wir erfahren, dass in Mahnwachen auch heute des Moments gedacht wird, als

ein abbiegender LKW den Fahrradfahrer tötete.

Wann endlich wird das Problem der gleichzeitigen Grünschaltung von Ampeln

gelöst? Wahre Trauer und wahren Zorn erkenne ich in den Gesichtern der Mahnenden.

 

In Chemnitz haben sich die Dinge rasant zum kaum Geahnten Schlechteren entwickelt

Es setzte meine Kopfuhr einen Herzschlag aus.

 

Für unsere Chronometer könnte bald durchgängig Sommer- oder Winterzeit gelten,

so dass der Biorhythmus nicht mehr aus dem Takt gerät.

 

Bisher ist das jedoch nur

Zukunftsmusik

 

Sowieso aber-

Offen gesprochen:

Ein Fliegenschiss! (In facie aeternum.)

 

Man stelle sich dagegen vor:

 

Nach dem Unfall im Hambacher Wald

 

Die pietätvolle Pause

nachhaltig verlängert

 

Die Rodung gestoppt

 

Vereinbarte Zukunft abgewartet.

 

Baum über Baum wird fallen

 

dem Kohlegeschäft

nicht vorhandene Zeit herausschindend

 

Schweres Gerät ist im Einsatz und

kein Moratorium weit und breit zu sehen.

 

Die Uhr im Kopf läuft

Unerbittlich

 

Und mögen auch die Welten des Universums einem höheren Plan folgen

und in Äonen rechnen

Wir schossen uns schon längst in die Umlaufbahn geeigneter Planeten; ja und

 

mit den ersten Menschen betraten auch Uhren die unendlichen Weiten des Alls. Aus Sicherheitsgründen tragen Astronauten immer auch eine Armbanduhr.

 

Ich möchte noch sagen:

 

Bald werde ich mit dem Zug zu P. und C. nach Wien fahren.

Die Vorfreude wird über zehn Stunden dauern

Es hüpft und singt dann Mein Herz!

 

Mit Lust so will ich singen / Mein Herz freut sich inn Gott / Der mir viel Kunst thut bringen, / Dasz ich entrinn dem Tod / Der ewiglich nimmet kein End. / Ich preiz dich Christ vom Himmel, / Der mir mein Kummer wend.

 

Auch liebe ich meine Fuchsie,

die über die Jahre unermüdlich Blüten hervorgebracht hat.

Ein Geschenk von dir

heute erst an einem Bambusstab hochgebunden.

 

Wenn die Blüten fallen,

sammle ich sie in meine Hand.

 

So kann es weitergehen.

 

Gestehen muss ich aber auch

ein Gebet

 

Mit Pathos zu sprechen oder

Atemlos herausgepresst.

 

Oh mögen bloß

die Unerbittlichen

die grausam bös Verschwisterten

 

Die Kopfuhr

 

Die Uhren draußen ...

 

Oh mach, dass sie nicht

- And This I Pray for from all my Heart ! -

dem einen Tag entgegeneilen

 

Wenn

 

vergleichbar einer Eplosion

 

aus einem fernen / nahen / Nachbar- / Bundesland

von Irgendwo

 

ganz ungeheure Wassermassen, Druck- und Schallwellen

sozusagen

heranrollen

 

um ungerührt die Gehörgänge zu durchbrechen

sozusagen

 

Während ein blitzendes Licht

sich durch unsere Augen bohrt

 

hinein in die Köpfe bis zu dem Punkt

 

wo alle

 

ALLE

 

Uhren

 

Zerbersten.

 

______

 

Zitate:

www.watchtime.net Zugriff: 26.09.2018

en.m.wikipedia.orgzu Felix Manz; Zugriff: 27.09.2018

Rezeption der Tagesschau vom

 

15.04.2019, 20 Uhr

 

Von israelischen Wissenschaftlern konnte

zum ersten Mal

ein

GANZES HERZ

in der Größe eines

HASENHERZEN

aus menschlichem Gewebe

in 3D

GEDRUCKT

 werden.

Erst in zehn bis fünfzehn Jahren

 Warum 'erst'? 15 Jahre klingen angesichts der Bedeutung der Sache

wie übermorgen. Und Ja, ich könnte dann sogar noch leben!

 In zehn bis fünzehn Jahren also [erst]

 werde man jedoch auch die kleinen Blutgefäße drucken können,

 um sodann das

 AUSGEDRUCKTE HERZ

 zum Pumpen und zum Schlagen zu bringen.

 Der selbst etwas erstaunt wirkende Mann präsentierte das ausgedruckte

 3 D Herz - aus menschlichem Gewebe, in der zierlichen Größe eines Hasenherzen -

 in einem transparenten Kästchen, was an ein Geschenk zum

 VALENTINSTAG

 erinnerte.

 NOTRE DAME STEHT IN FLAMMEN

 war die nächste Nachricht, die mir in aller Deutlichkeit vor Augen steht.

 NOTRE DAME STEHT IN FLAMMEN

 NOTRE DAME STEHT IN FLAMMEN !

 Präsident Macron habe deshalb eine für heute geplante Rede abgesagt.

 Auch dies eine Hauptnachricht, hatte die Redaktion

 NOTRE DAME STEHT IN FLAMMEN

 jedoch völlig zu Recht nicht

 an die erste Stelle gesetzt.

 Dies ist öffentlich – rechtliches Fernsehen, wir sind

 nicht auf dem Boulevard.

 Du Lieber Gott, und wir haben diese Kirche ZUM GLÜCK

 - Unsinn, was sagdenke ich da -

 diese Kirche haben wir noch im März zuletzt besucht

 Zur Begründung - wir hatten wenig Zeit -

 erklärte ich:

 Sie war immer für mich die Schönste

 ist für mich

 SCHON IMMER DIE SCHÖNSTE GEWESEN.

 Morgen wird es sonnig. Die Temperaturen müssten in unserer Region

 15 Grad erreichen

 Diese Wetterinformationen habe ich auch behalten.

 Gab es eine Nachricht zu Verkehr und Klima, Klimawandel, den

 KLIMAPROTESTEN ?

 Ich weiß es nicht

 und die Möglichkeit, dies noch nachzuschauen oder nachzulesen, ist

 ja auch kein Mittel gegen

 PARTIELLE BLACKOUTS / BREAKDOWNS .

 GEDRUCKTE MENSCHEN - HASENHERZEN

 NOTRE DAME ON FIRE

 BIS 15 GRAD BEI SONNENSCHEIN

 

 Meistens

 behalte ich mehr

 

Weihnachtstanne Ende August

I

 

Vielleicht in einem Keller abgestellt

 und dort vergessen?

 Gar nicht mal abgenadelt, aber natürlich von

 bräunlicher Farbe,

 abgeschmückt, und gewiss nicht aus Gründen der Nostalgie

 so lange aufbewahrt.

 

 Hübsch gerade ist er ja gewachsen,

 was man erkennt, obwohl er

 auf der Seite liegt.

 

 Gut sieben Monate zu spät

 liegt dieser Weihnachtsbaum heute am Straßenrand.

 Ich erinner' mich sogar noch an die beiden Abholtermine,

 von der BSR nach DreiKönig angeboten. Sinnvoll damals,

 

 verfluchte Unwichtigkeit jetzt!

 

 Forget it.

 

Ohnehin hätte es ein kurzes Schmunzelgedicht

getan, besser noch

 

Ein kurzes Schmunzeln.

 

Jedes Wort zuviel

 

II

 

Ausgerechnet zu Füßen eines

Ginkgo biloba ist es zu liegen gekommen,

 das armselige Industrietännchen.

 

Der müsste um die 50 Jahre alt sein,

vom Baumpaten gepflanzt.

Bis über den Dachfirst ragt er!

 

Gesäumt ist unsere Straße von den

Schwestern und Brüdern seiner Art,

 die uns erhalten ist aus

ältester Vorzeit

und zu uns kam aus damals fernem Asien.

 

 Auch Goethe war's vergönnt einen Ginkgo

 sich zu pflanzen. Ein schönes Sinngeschenk, besang

 das Blatt als doppelt-eins er

im West-östlichen Divan.

 

Groß kann der Ginkgo biloba werden und

sehr sehr alt und

vieles lässt sich lesen über weibliche

und männliche Bäume und ihre mannigfache

Nutzung.

 

Ja, glücklich können wir uns preisen mit dem Ginkgo biloba!

 

In  China, Japan,

 

hier

 

III

 

Hoffentlich ist das kein böses Omen,

dieser vertrocknete Weihnachtsbaum unter einem

Ginkgo.

 

Ich bin nicht abergläubisch. Was ich sagen will:

 

Falls die Dürre vom Sommer 2018 und 2019 den Ginkgo in der Tiefe totgemacht hat,

sehen wir das noch nicht unbedingt.

 

Soweit ich weiß, hatten wir

nur einen einzigen Baumgießer (genauer, eine Baumgießerin)

in unserer Straße. And it wasn't me

 

21./23.  August 2019

 

literaturveranstaltung (29. september, 20 uhr)

Hommage an Ernst Jandl und Eugen Gomringer an Nora Gomringer an Friederike Mayröcker

 

ein witz zum anfang

 

EIN WITZ

 

elli, die gerne eine berühmte schriftstellerin wäre, liest ihre fertige geschichte noch einmal durch.

ich bin beeindruckt“, sagt sie.

 

 

EIN NICHT – WITZ

 

ella liest das fertige manuskript ihrer geschichte noch einmal durch.

ich bin beeindruckt, sagt sie lachend.

 

 

EIN ERWEITERTER NICHT - WITZ

 

die schriftstellerin elisabeth k. schreibt über ihre hauptperson

ella liest das fertige manuskript ihrer geschichte noch einmal durch.

ich bin beeindruckt, sagt sie lachend“.

 

 

EIN ERWEITERTER UND KORRIGIERTER NICHTWITZ

 

die schriftstellerin elisabeth k. schreibt nun über ihre hauptperson

ella liest das fertige manuskript ihrer geschichte noch einmal durch.

ich bin beeindruckt! sagt sie. und lacht“.

 

 

EINE HINWEIS UND EIN GESAMTWITZ

 

lesen sie die texte noch einmal durch

lesen sie die vier noch einmal durch

 

um

 

denken sie nach

denken sie, was der gesamtwitz

 

was der gesamtwitz sein könnt'

 

wenn

 

wenn sie die vier texte als ganzes gelesen haben

 

- als ganzes -

 

allsssgantzesssgeleeznha'mmm

 

die vier text' als ganzes

bilden bildend

den gesamtwitz

.

 

(punkt)

punkt

punktum

punkt

 

dannoch

 

austausch

tauschaus

 

k.o.

 

?

 

und

schluss

 

 

EIN WICHTIGER HINWEIS UND EIN GESAMTWITZ

 

das war ein konkretes gedicht

das gedicht war ein konkretes

 

es

war

konkret -

ein

gedicht

 

:) :) :) :)

+

? ?

+ thumb

ap

! ? ...

pp

ppp pppp!

 

 

EIN HINWEIS

 

die wortfolge war

verschüttelt.

 

 

EIN WITZ UND EIN SCHLUSS

 

das beste kommt zum schluss

zum schluss kommt das beste

kommt zum schluss das beste

kommt das beste

zum schluss

 

das war witzig

war nicht witzig

war (un)witzig

war wah wahr

 

das wahr konkrete poesie

 

das !! war !

kein schluss

 

 

EIN SCHLUSS

 

ein schluss ohne ende ohne ende kein schluss

verdruss ohne wende

gejandelt wer'n muss

 

ejandel jande and n; (NN)

omringe mring rin i gr

 

? , ?, ? [ – ]

 

                            x: af jadan fall

                                                                                     y: nu klur

 

z: dauraubaur schaunt kaunsauns zau haurrschaun

 dann als rätzel “…“ in erneckicger klammer ohne ernc o. rnec; dann:

 

SCHLUSS

 

(keine)

konkrete poesie

ohne ende

kein (gesamt)witz

ohne ende

 

ohne konkrete! poesie

mit konkrete' poesie

kein witz

keine witze

 

kein gesamt

witz

 

kein ende kein schluss

 

 

ohne gutes ende

ohne gutes end

ohne gutes en

e

 

                           du                  [ich rebellier i hab kai luscht mer hab der kopf voll]

                                                                    [ständig zuviel disziplin oder Nicht Genug DisZiplin]

 

                                                                                                                                                                                               (uuuuuuuu)

 

           okokokok

                                                                                                                                                                           hajajajaja

                                                                                           nana

                                                               naja

                                                                                                                                                          haja

 

                                                                                 hmhmhm

 

                                                                                                                                 okok

 

schluss,

ende

                                                                                            ok

 

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tschau

 

 

................................freundlichesgemurmelaufdemwegzumausgangbisnichtsmehrzuhörenist

 

© Janne Bender 2019

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